Der Karnische Höhenweg: 10 Tage im nirgendwo

Als ich in 2021 ein Teil des Via Alpinas zurücklegte, einen Fernwanderweg über gut 162 Etappen, kam es zur Erstbegegnung mit dem Karnischen Höhenweg. Mir war vorher schon klar, dass dieser Abschnitt etwas Besonderes war, denn ich würde zehn Tagen über den Karnischen Hauptkamm wandern. Der Karnische Höhenweg hat mich sicherlich nicht enttäuscht, und gehört nach wie vor zu den schönsten Touren, die ich je gemacht habe.

Zehn Tage über den Karnischen Kamm

Der Karnische Höhenweg ist nicht nur spektakulär, sondern auch sehr beliebt, weil man in den zehn Tagen nicht einmal ins Tal kommt. Und das ist heutzutage auch in den Alpen eher eine Seltenheit. Der Höhenweg geht am Karnischen Kamm entlang, ein Bergmassiv direkt auf der Grenze zur Österreich und Italien. Auf der Tour überquert man fast täglich die Grenze. Los geht’s im österreichischen Sillian oder dem italienischen Innichen. Die Tour endet 160 Kilometer östlich in Arnoldstein, nur wenige Kilometer von der slowenischen Grenze entfernt. Natürlich ist es auch eine Option, die Tour in die entgegensetzte Richtung zu laufen.

Nicht jeder hat Zeit oder Lust, die gesamte Strecke zurückzulegen. Keine Panik, denn es ist auch möglich einen kleineren Abschnitt zurückzulegen. Der Abschnitt von Sillian zur Plöckenpass gilt als schönster Teil des Höhenwegs. Hier sind die Aussichten am spektakulärsten, und das Gebiet, das man durchquert, gilt als atemberaubend. Dieses Teil des Höhenweges legt man in etwa fünf Tagen zurück. Am Plöckenpass geht es dann hinunter nach Kötschach, zurück in die bewohnte Welt.

Um wieder zurück zum Startpunkt zu gelangen, ist man auf die Öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. Zum Glück gibt es in Österreich gute Anbindungen. Zwischen Arnoldstein und Kötschach gibt es eine gute Bahnverbindung. Wer durch das Lesachtal zurück zum Startpunkt geht, ist auf eine Busverbindung angewiesen.

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Was der Karnische Höhenweg so besonders macht

Der Karnische Höhenweg kennt eine zweifelhafte Vergangenheit, denn entstanden ist dieser Höhenweg in Zeit des Ersten Weltkrieges. Auf dem Karnischen Hauptkamm gab es erbitterte Kämpfe zwischen dem damaligen Österreich-Ungarn und Italien. Um Munition und Waffen zur Front zu bringen, und um verschiedene Stellen miteinander zu verbinden, wurden Pfade angelegt. Diese Strecken bilden heutzutage den Karnischen Höhenweg.

Diese Zeit hat ihre Spüren hinterlassen, denn heutzutage kommt man auf dem Höhenweg täglich an alten Baracken, Kriegsfriedhöfen und Schützengräben vorbei. In der unmittelbaren Nähe der Woyalerseehütte liegt sogar alter Stacheldraht auf den Weg. Diese Tatsachen machen den Karnischen Höhenweg noch um einiges beeindruckender.

Huttentocht Alpen

Die schönsten Etappen des Karnische Höhenweges

Die damaligen Schlachtfelder sind zum Glück verschwunden, und nun ist der Karnische Höhenweg sogar Teil des Europäischen Friedensweg geworden. Es gibt schlimmere Orte für eine Friedensweg, denn mit so viel Natur wird man von alleine friedlich. Wie bei jeder Hüttentour, gibt es auch beim Karnischen Höhenweg einige Etappen, die man nicht überspringen soll.

Laut vielen Wanderern gilt die Etappe von der Pforzehütte zum Hochweißsteinhaus als Königsetappe. Diese Etappe ist eine lange Gratwanderung und bietet eine phänomenale Aussicht über die italienischen Dolomiten. Darüber hinaus ist das Hochweißsteinhaus eine der schönsten Hütten auf dem Karnischen Höhenweg. Diese Hütte hat seinen ursprünglichen Charakter behalten, und ist dementsprechend ein schöner Ort zum Übernachten.

Sonnenaufgang auf Höhe

Nach einer Übernachtung im Hochweißsteinhaus geht es weiter östlich. Der Karnische Höhenweg besticht auch hier mit seiner Schönheit. Auch Aussicht-mäßig bleibt es schön, denn an der Wolayerseehütte hat man einen überragenden Blick auf die Hohe Warte. Danach geht es über den kleinsten Gletscher Österreichs weiter zum Plöckenpass. Viele Wanderer beschließen hier abzusteigen. Die schönsten Etappen hat man laut vielen nämlich schon hinter sich.

Diese Entscheidung könnte man im Nachhinein vielleicht bereuen, denn die Etappe zur Zollnerseehütte ist nicht nur schön, die Hütte bildet auch der perfekte Ort für einen schönen Sonnenuntergang. Dank Westlicher Lage und klarer Blick gen Westen, kann man hier in aller Ruhe die Sonne hinter die Berge sinken sehen.

Zonsondergan bij de Zollnerseehütte, direct aan de Karnische Höhenweg

Der Karnische Höhenweg hat es in sich

Wer nicht mehr weiter machen möchte, kann direkt an der Zollnerseehütte wieder absteigen. Wer weiter östlich zieht, merkt das die Landschaft sich langsam ändert. Die Berge werden langsam etwas niedriger, und die Dolomiten, die einen lange begleitet haben, verschwinden langsam im Hintergrund. Eine neue Bergkette ragt auf einmal zum Himmel: die Julische Alpen. Das heißt, dass der Karnische Höhenweg sich langsam seinem Ende neigt.

Nach der Ortschaft Nassfeld ist es auch vorbei mit den Berghütten. Ab jetzt übernachtet man auf Almen, und auch das hat seinen eigenen Charme. Die Rauheit der Landschaft verschwindet nun langsam, und an der letzten Etappe geht es nur noch Steil hinunter. Es geht endgültig zurück in die Zivilisation.

Nach zehn Tage auf Höhe ist das Ziel erreicht. Wir sind in Arnoldstein angekommen und haben die Tour vollendet. Es ist etwas seltsam wieder unter Leuten zu sein, denn auf der Karnischen Kamm war es stellenweise richtig verlassen. Und das tut gut, denn die Verbindung zur Natur, die schöne Landschaften, und tollen Aussichten findet man in dem Ausmaß nur am Karnischen Höhenweg.

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In 22 Tagen quer durch die bayerischen Alpen.